Dienstag, 13. November 2012

Aller Anfang ist schwer

Wie beginnt man einen Blog? Wahrscheinlich mache ich mir ganz einfach zu viele Gedanken. Wahrscheinlich wäre es auch aus jetziger Sicht besser gewesen, mit einer spannenden oder unterhaltsamen Episode aus meinem /unseren Leben zu beginnen. Wahrscheinlich bist du lieber Leser schon nach diesen Zeilen gelangweilt und klickst auf irgendeine andere Seite. Wahrscheinlich nervt dich mein häufiger Gebrauch des Wortes „wahrscheinlich“.

Aber bleiben wir beim Thema. Wie schafft man einen spannenden Einstieg in ein Bloggeruniversum, das sich heutzutage vielmals nur noch auf das Posten durchschnittlicher Bilder beschränkt. Fangen wir damit an, dass wir einmal gemeinsam herausfinden, was ein Blog überhaupt ist. Die ersten Web-logs (später Blogs) tauchten in Form von online Tagebüchern Ende der 1990ern auf. Nicht mehr bestimmbare Randfiguren der damaligen Onlinecommunity verbreiteten damals via Webeinträge ihre privaten Standpunkte und verhalfen in weiterer Folge einer noch jungen nachkommenden Generation zu einer nunmehr gesellschaftlich anerkannten Ausdrucksform. Das (!) Blog ist also ein öffentliches Tagebuch, ein Logbuch oder ein Journal, das Gedanken protokolliert und der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. 

Herzlich willkommen, liebe Leserin und lieber Leser. Nein, so kann man doch keinen Blog beginnen. Ich brauche einen spannenden Einstieg. Etwas, das den Leser fesselt, begeistert und auf dieser Seite hält. Womöglich sollte ich mich wiederum zuerst informieren und mir Hilfe von außen holen. Was haben andere so geschrieben? Beginnen wir mit dem wohl bekanntest Blog überhaupt, der Bibel. Dort kann man Folgendes lesen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde;“ Ich höre mal hier auf, weil ich ganz schnell merke, dass sich meine täglichen Eindrücke in keinster Weise mit den ersten Zeilen dieses vorhin zitierten Blogeintrages messen können. Möglicherweise sollte ich mir doch jemanden in meiner Gewichtsklasse suchen, der mich nicht total in den Schatten stellt. Dafür übergebe ich meine weitere Recherche dem Zufall. Ich gehe auf meinen Blog, drücke auf den Button „nächster Blog“ und lande auf der Seite von „The Paz Daddy Show“. Ich überfliege die abstoßende Optik, scrolle nach unten um den ältesten Blogpost zu finden, bin aber schon beim Überfliegen des ersten Eintrages angewidert von den vielen F...-Wort-Wiederholungen und breche meine Suche ganz schnell ab. Ich schließe das Webfenster und kehre enttäuscht zu meinem Blog zurück.

Ich bin verzweifelt, schon nahe daran aufzugeben und alles meiner lieben Blogverantwortlichen zu überlassen. Da fällt es mir plötzlich ein. Es gibt noch Hoffnung. Ich laufe zu meinem Bücherschrank, öffne mein gutes altes Tagebuch und finde sogleich meinen ersten Eintrag: „WWF Catchen schauten wir in Innsbruck in der Olympiahalle an. Es war sehr toll. Februar 1994.“ Darüber ein Foto. Nun habe ich es schwarz auf weiß. Es fällt mir wie Schuppen von den Augen. Alles ist klar. Mein erster Tagebucheintrag bestand aus einem unterdurchschnittlichen Foto und einer emotionalen Bildbeschreibung. Meine Fähigkeit mein Leben zu dokumentieren, beschränkte sich also von Anbeginn an auf „Bilder posten und kurze Kommentare schreiben“. Zum Glück gibt es Melissa! Nichtsdestotrotz heiße ich die lieben Leser, die bis hier durchgehalten haben, Herzlich willkommen!

Aller Anfang ist schwer. In diesem Sinne soll dieser Blogeintrag wortwörtlich verstanden werden.